Architekturkonzept

Beziehung zur Natur

Prof. Boris Podrecca, Mag.arch. (Atelier Podrecca, Wien)
Arch. DI Miha Dobrin, M.A. (Arhitekti Dobrin d.o.o., Ljubljana)

Das Architekturkonzept erzählt die Geschichte der Einbettung des Gebäudes in die Natur durch das Prisma von Beziehung zur Natur, Annäherung, Begrenzung und Ruhe im Punkt der konstanten Bewegung. Das Hotel und Kongresszentrum Mons ist ein Bauwerk mit dynamischem Grundriss und Querschnitt, den man sich am besten als eine in die natürliche Umwelt gelegte Hand mit gespreizten Fingern vorstellen kann. Auf diese Weise bleiben in höchstem Maße sowohl der Kontakt mit der Natur als auch die qualitätsvollsten Elemente am Standort erhalten (zur Erhaltung zweier bestehender Buchen zwischen den beiden Flügeln der Hotelzimmer erfuhr das gesamte Bauprojekt nach der Absteckung in Bezug auf die Ausgangslage eine Drehung und Verschiebung).
Die gespreizten Finger stellen die einzelnen funktionellen Baugruppen und -phasen und die Hand den Kernbereich bzw. das Gebäudeinnere dar. Die erste Bauphase umfasst den Kongress- und Restaurantbereich in einer und den Hotelbereich in zwei Lamellen, während zwei Lamellen – Parkplätze die optionale Hinzufügung von Programmen in der zweiten Phase auf der oberen Ebene markieren (Zeige- und Mittelfinger).

Zwei aufeinander geschichtete Volumen

Das Konzept zweier aufeinander geschichteter Volumen resultiert aus dem Basiskonzept, dem es untergeordnet ist, nämlich der Beziehung zur Natur. Das Volumen mit dem öffentlichen, vielfältigen, lauten Programm (Kongresszentrum und Selbstbedienungsrestaurant mit Raststättenfunktion) ist entlang der Autobahn platziert, während das Volumen mit dem individuellen, zellulären, ruhigen Programm (Hotelbereich) auf den Wald gerichtet ist. Der Unterschied zwischen den Programmen und Orientierungen der beiden Volumen zeigt sich in der Materialität der Fassaden. Der Glasfassade des ersten Volumens auf der Seite der Autobahn, die mit dem Geschehen im Gebäudeinneren die Vorbeifahrenden exhibitionistisch wie ein Werbeplakat anspricht, antwortet als Antipode auf der Seite des Waldes die ruhige Fassade aus MAX-Platten, die mit der Mimikry der Baumstämme den lauten Eingriff in die Natur in der unmittelbaren Nähe des Standorts (Autobahn, Möbelgeschäft Lesnina, Verbindungsstraße) verdeckt.

Anpassung an komplexe Geländegeometrie

Das Architekturkonzept nutzt die komplexe Geländegeometrie. Bei einer Geschossigkeit von 2 KG + EG + 2 OG besitzt das Gebäude gleich drei Erdgeschosse, und zwar auf der Ebene des 2. KG in Richtung Autobahn, auf der Ebene des 1. KG in Richtung Wald und Wartungsbereich sowie auf der Ebene des EG im Bereich der Rezeption und des Kongresszentrums, so dass wir eigentlich von einer Geschossigkeit von 3 EG + 2 OG sprechen müssen.

Licht (siehe auch Beleuchtung)

Durchbrechungen und eingerahmte erhaschte Blicke mit szenischem Hintergrund der Natur einerseits und das Eindringen des Tageslichts andererseits, ergießendes Zenitallicht im Kernbereich des Hotels, das ihn mit Leben erfüllt und das sich im Lauf des Tages verändert.

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Sempers Stoffwechseltheorie

Eine Hommage auf Sempers Stoffwechseltheorie im Eingangsbereich des Hotels, wo sich zwei der Form nach gleiche, aber mit unterschiedlichen Hüllen versehene Partien gegenüberstehen. Die Rezeption ist in warmes, strukturiertes Furnier und die Hotelbar in kühles Glas und Metall gehüllt, beide Partien sind durch einen Streifen mit dem farblich umgekehrten Bodenmuster verbunden.

Farben, Kontraste, Leichtes und Schweres

Im Hotel bietet sich eine Fülle kleiner »Geschichten«. Grundfarben in den Geschossen, mimetische Farben an der Fassade, Verdoppelung der Farben von der Glasfassade auf die Innenwand des Konferenzsaals, farbliche Begrenzungen und Kontraste, Umkehrungen der Farbmuster, Spiel mit Materialien und Details.

Immerwährende Bewegung

An der Kreuzung, im Schnittpunkt des räumlichen Wechsels, ist die Bewegung allgegenwärtig und als solche in der Skulptur von Karl Schlammingers Schwebendem Pendel inkarniert (»Wo keine Bewegung herrscht, ist Tod«). 

Beleuchtung

Die Bewegungsräume werden mit Linienleuchten beleuchtet. Eine Abweichung vom Konzept ist nur dort zulässig, wo die räumliche Gegebenheit keine durchdachte Platzierung von Architekturelementen erlaubte und eine konsequente Realisierung des Beleuchtungskonzeptes auf diese Tatsache aufmerksam gemacht hätte (etwa eine nichtlineare Platzierung der Glaserker in der Halle des Kongresszentrums) bzw. eine konsequente Realisierung aufgrund der räumlichen Beschränkung nicht möglich war.

Bei der Auswahl der Leuchen waren sowohl die Übereinstimmung der Lampenform mit der Architektur im Allgemeinen und die Klarheit der Form selbst als auch die Anpassung an die einzelnen Räume bzw. Programme in den Finessen bzw. Nuancen bestimmend.

Zu den lichtdurchfluteten Räumen zählt der Kernbereich des Hotels, der in allen drei öffentlichen Geschossen mit indirektem Licht erfüllt ist und zugleich eine Analogie zum Hotelatrium darstellt, das mit zenitalem Tageslicht erfüllt ist.

Für die öffentlichen Räume bzw. Begegnungsräume wurden zwei allgemeine Beleuchtungstypen eingesetzt. Im Kongresszentrum wurden aufgrund der Höhe (5 m), der nicht allzu großen Auffälligkeit der Lichtquelle, der Regulierungsmöglichkeit und der Lichtfarbe Halogenlampen mit einer sehr kleinen Austrittsöffnung (Erco Doppelfokus) und in den übrigen Begegnungsräumen Downlights mit Sparlampen verwendet. Die Nuance zwischen den öffentlichen und den intimeren Begegnungsräumen (im Gegensatz zu den Hotelflügeln) besteht darin, dass im letzteren Falle Leuchten mit weichem, rundem Übergang zur Deckenebene verwendet wurden (Victoria Krypton).

Das betont längliche Format der Linienleuchten für die Innen- und Außenflure wurde sowohl wegen der architektonischen Harmonie als auch wegen der Synergieeffekte der Platzierung ausgewählt – mit der Querplatzierung der Leuchten wurde eine scheinbare Verkürzung der sonst langen Flure erzielt und zugleich die Form des Lichtkegels der Lampe selbst optimal ausgenützt. Mit der Platzierung der gleichen Leuchten in anderen Programmen (z. B. der Linienleuchten vom Flur im À-la-carte-Restaurant im Erdgeschoss) wurde auch eine bessere Überleitung bzw. Verbindung zweier Programme erzielt.

Die allgemeine Beleuchtung in den Hotelfluren wurde durch akzentuierte Halogenlampen im Farbwechsel vor den Zimmertüren ergänzt, was das erforderliche Niveau eines scharfen Schattens und den Wechsel der Lichtfarbe zum wärmeren Teil des Spektrums als Ankündigung der Privatheit des Hotelzimmers gewährleistet.

Umfang des gesamten Angebots

Im Hotel und Kongresszentrum Mons stehen insgesamt 114 Doppelzimmer mit einer dem 4-Sterne-Hotel gemäßen Ausstattung, ein À-la-carte-Restaurant mit 82 Plätzen, das auch als Frühstücksraum dient, Erholungsräume (Fitness, Sauna und Billard), ein Kongresszentrum sowie ein Selbstbedienungsrestaurant (Marché-Restaurant) mit 300 Plätzen zur Verfügung.

Gebäudeumrisse

Der Grundriss des Kongress- und Restaurantbereichs misst 52 x 20 m und der des Hotelbereichs 105 x 16/24 m. Im Vertikalschnitt von 2 KG + EG + 2 OG besitzt das Gebäude 3 Erdgeschosse, und zwar auf der Ebene des 2. KG in Richtung Autobahn, auf der Ebene des 1. KG in Richtung Wald sowie auf der Ebene des EG im Bereich der Rezeption und des Kongresszentrums, so dass wir von einer Geschossigkeit von 3 EG + 2 OG sprechen können. Die Geschosshöhe des EG und des 1. KG beträgt 4,25 m, die übrigen Geschosshöhen betragen 3,20 m.

Lärmschutz

Aufgrund der unmittelbaren Nähe der Autobahn und des hohen Lärmpegels auf der vorgesehenen Fassadenfläche (73 dB) wurde das Ausgangserfordernis für eine gute Lärmdämmung durch eine funktionelle und technische Ausführung der Fassade und der Fenster und durch eine entsprechende Auswahl der Verglasung gelöst (Lärmdämmung 44 dB). So ist das lauteste Programm (Selbstbedienungsrestaurant) der Autobahn am nächsten, und das am weitesten entfernte Programm stellen die Hotelzimmer dar, wobei mit dem Trakt an der Autobahn ein Lärmschutz für den kleinen Platz vor dem Hoteleingang geschaffen wurde.

Bau

Lokale Gegebenheiten und Flächennutzungsplan bedingten einen umfangreichen Geländeeingriff. Es wurden rund 60.000 m3 Erde wegtransportiert und zur Verbesserung der Tragfähigkeit des Geländes rund 5.000 m3 Ton durch Schotterung ersetzt. Die ursprünglich vorgesehene Tiefgründung mit Piloten (Laibacher Moor!) wurde wegen des zu hohen Preises zu einer Flachgründung mit Fundamentplatte und Fundamentbalken auf einer 60–80 cm dicken Schotterung verändert. Das Gebäude wurde aufgrund der Größe, der unterschiedlichen Massen und der Konstruktionsoptimierung in vier Baugruppen untergliedert. Vorherrschend ist eine Stahlbeton-Wandkonstruktion im 8-m-Raster mit Betonmantel und massiver Dachplatte, wobei es im Kongress- und Restaurantbereich, wo eine Säulenkonstruktion und Stahl-Dachkonstruktion im weniger beanspruchten Gebäudeteil vorherrscht, Abweichungen gibt. Bauleitung und Verlauf der Bauarbeiten waren trotz komplexer Geländegeometrie, Gebäudedynamik und Projektanforderung der maximalen Erhaltung der bestehenden Bäume sehr gut. Der Bau wurde inklusive Geländevorbereitung und Bau der Zufahrtsstraße in 7 Monaten (Mai – November 2003) fertiggestellt. Der Abschluss der Bauarbeiten und die komplette Ausstattung des Gebäudes erforderten weitere 8 Monate (Januar – August 2004).

Arch. Miha Dobrin